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Artisten aus dem neuen Sommerprogramm "CELEBRATION"
Reportage über Jana Mandana - Mein Pferd (9-2010)

Spielend zum Erfolg
Motivieren statt strafen: Jana Mandana Lacey-Krone gewährt einen Einblick
in ihr einzigartiges Pferdetraining und verrät das Geheimnis ihres Erfolgs.
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Jassi hat es faustdick hinter den Ohren. Der sechsjährige Araber-Hengst, im baden-württembergischen Haupt- und Landgestüt Marbach an der Lauter geboren und aufgewachsen, ist Schlusspferd der Araber-Freiheitsdressur - und ein Spezialist für die Produktion von "Gulasch". So nennt man es nämlich im Zirkus Krone, wenn die Pferdefreiheitsdressur durcheinandergerät. Und Jassi ist gut darin, seine Kumpels von hinten aufzumischen. Kaum wendet Pferdetrainerin Jana Mandana ihren Blick seinen Vordermännern zu, nutzt Jassi seine Chance: Er kneift in das oh so verlockende Hinterteil des Vorderpferds Isam und drängelt an ihm vorbei nach außen. Doch schon ist er ertappt. "Jassi!", schallt der Zuruf - freundlich, doch konsequent. Aber schwingt da nicht ein bisschen Amüsement mit? Auf jeden Fall lächelt Jana Mandana, als sie ihm mit der Peitsche wieder seinen Platz zeigt - und wer könnte dem kleinen Araber-Schimmel mit seinem frechen Babygesicht auch widerstehen? Er will doch nur spielen!
Legendäre Pferdefrau
Und das darf er auch. Gute Tiertrainer bauen ihre Dressuren nämlich weitgehend auf dem Spieltrieb ihrer Tiere auf - und was Jana Mandana, Adoptivtochter und Schülerin der legendären Pferdefrau und Zirkuschefin Christel Sembach-Krone, angeht, hat sie nicht nur von einer der Besten gelernt, sondern gehört heute zur Oberklasse der Tierlehrer.
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Gute Haltung: Alle Pferde haben luftige Boxen mit einem Paddock
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ZUR PERSON
Jana Mandana Lacey-Krone
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Wer Jana Mandana sucht, muss nur die Ohren spitzen. Früher oder später hört er ihr kehliges Lachen und die freundliche, aber bestimmte Stimme, mit der sie ihre Tiere und Helfer anspricht. Jana Mandana Lacey-Krone, 1979 als Tochter Schweizer Zirkus-freunde geboren, ist im Zirkus aufgewachsen. Ihre Eltern sind eng mit Krone-Chefin Christel Sembach-Krone befreundet.
Und so kam es, dass Jana erst Wahl- und heute sogar Adoptivtochter und präsumtive Nachfolgerin der alleinstehenden Zirkusunternehmerin wurde. Dementsprechend ist Jana Mandana Reiterin und Chefin des Krone-Marstalls mit rund 60 Hengsten, Trainerin der Kamele, Lamas und Zebras, Assistentin des Elefantentrainers, Juniorchefin, die zunehmend Verantwortung für den Betrieb übernimmt, und nicht zuletzt mit vollem Herzen Mutter eines zweijährigen Sohnes.
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Ihren speziellen Umgang mit Pferden verdankt sie aber auch der Erfahrung mit Tieren, die nicht so sanft mütig und kooperationsbereit wie Pferde sind. Ihre besondere Liebe gehört nämlich den Wappentieren des Zirkus Krone, den Elefanten, von denen sie sagt: "Sie sind hochintelligent und supersensibel." Außerdem lassen sich Elefanten zu nichts zwingen. "Mit Elefanten darf man sich nicht auf einen Konflikt einlassen", erklärt Jana Mandana. "Man muss ihnen immer einen Schritt voraus sein. Wenn man merkt, dass Aggressionen aufkommen könnten, muss man sich sofort etwas einfallen lassen, um sie abzulenken."
Und dann gibt es da bei Krone auch noch Zebras - und von denen wurde ja früher oft behauptet, dass man sie nicht dressieren könne. Tatsächlich sind die gestreiften Vettern der Pferde ausgesprochen stur und obendrein sehr schreckhaft. Bei ihnen gilt es, immer Ruhe auszustrahlen und die Übersicht zu behalten.
Doch zurück zu Jana Mandanas Pferden. Ihre Freiheitsdressuren mit weißen Arabern, schwarzen Friesen und goldenen Palominos sehen spielerisch aus, doch wer auch nur ein bisschen was von Pferden versteht, weiß, dass dahinter viel Trainingsarbeit, jede Menge Geduld und das Mysterium, das man Pferdeverstand nennt, stehen. Aber fangen wir am Anfang an - womit wir wieder bei dem frechen kleinen Jassi sind. Der ist nämlich Jana Mandanas Jüngster - und mit seiner verspielten Frechheit gibt er dem interessierten Zuschauer selbst in der Manege manchmal einen Einblick in die Arbeit, die in einer Freiheitsdressur steckt.
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Teamwork gefragt
Der erste Schritt in der dafür nötigen Pferdeausbildung wirkt fast paradox: Freiheitsdressur ist Teamwork und präsentiert die Pferde als Gruppe. Je harmonischer sie zusammenarbeiten, je mehr ihre Individualität hinter der gemeinsamen Identität zurücktritt, desto wirkungsvoller ist der Auftritt. Doch um so weit zu kommen, wird erst einmal die Individualität gestärkt, indem jedes einzelne Pferd in der Gruppe lernt, auf seinen Namen zu hören. Das klingt einfach und scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein - doch Tatsache ist, dass sehr viele Reitpferde ihren Namen nicht kennen. Woher auch? Sie haben es nicht gelernt und nie geübt. Bei den Krone-Pferden steckt aber Übung dahinter. Sie beginnen ihr Training damit, dass sie lernen, auf ihren Namen zu reagieren - wofür sie natürlich mit Leckerli und Lob belohnt werden. Vollendet ist der Prozess dann, wenn jedes Pferd in der Gruppe einzeln gerufen werden kann.
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Die niedrige Bande könnten die Pferde mühelos überspringen.
Aber warum sollten sie? Mit Jana Mandana als Chefin macht die Arbeit Spaß.
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Auch während der nächsten Schritte wird die Individualität der Pferde unterstützt. Eine neue Freiheitsdressur mit jungen Pferden wird langsam zusammengesetzt. Die Youngster lernen erst einmal, allein an der Longe zu laufen und auf entsprechende Kommandos zu reagieren. Danach kommt das Training in Paaren - wobei Jana Mandana sorgfältig beobachtet, welche ihrer Jünglinge miteinander auskommen, welche sich weniger mögen und wie die Rangordnung in der Gruppe ist. Nach diesem Befund wird dann die Reihenfolge aufgebaut, die sich, solange die Gruppe zusammenarbeitet, nicht mehr ändert. Denn Pferde sind Gewohnheitstiere - wenn einer einmal über Jahre das vierte Pferd in der Gruppe war, wird er selbst dann noch auf der vierten Position laufen, wenn gar kein Dritter vor ihm ist.
Abstände werden nämlich auch geübt - und damit sich die jungen Herren vor allem am Anfang nicht zu nahe kommen, werden sie erst einzeln von einem Pfleger geführt und dann von ihrem Pfleger an die Longe genommen. Dabei ist natürlich höchste Konzentration nötig, denn eine Manege ist nur 13 Meter groß. Mit acht Pferden, acht Longen, acht Longenführern und dem Trainer in der Mitte kann es schon einmal eng werden. Und wenn nicht alle Beteiligten ihren Job aufmerksam verrichten, entsteht ein Longen- und Pferdekuddelmuddel.
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JANAS TRICK
Positive Motivation
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Das und eine eventuell daraus entstehende Beißerei - soll aber auf jeden Fall vermieden werden. Damit wären wir schon bei der Frage, was gute Tierlehrer ausmacht: Sie wissen, dass ihre Autorität bei ihren Vierbeinern auf Vertrauen beruht. Doch - und das ist eine der Lektionen, die Reiter von Tierlehrern lernen können - Vertrauen wird bei Tieren nur dem erteilt, der kompetent führt, sprich: der dem Tier schlechte Erfahrungen erspart. An dieser Stelle müssen wir ein wenig abschweifen - von den Zirkuspferden den Graugänsen und zum berühmten Verhaltensforscher Professor Konrad Lorenz. Der lebte und forschte bekanntlich über viele Jahre mit jungen Graugänsen, bei denen er die Mutterstelle angenommen hatte, was ihn während der Lernphase seiner Schützlinge automatisch zum Führer der Gänseschar machte. Und tatsächlich brauchen sie auch einen: Junge Graugänse wissen nämlich zum Beispiel noch nicht, wo sie wie landen können. Wenn sie in der Luft sind, warten sie auf die Ansage ihrer Führungsgans, um wieder zum Boden zurückzukehren.
Und die kluge Leitgans weiß natürlich, dass ihre Kinder nur mit dem Wind landen können, wenn sie sich nicht überkugeln und verletzen sollen. Konrad Lorenz als Verhaltensforscher wusste das natürlich auch. Aber eines Tages konnte er seiner wissenschaft lichen Neugierde nicht widerstehen und veranlasste eine Schar Gänsekinder dazu, auf seinen Befehl hin gegen den Wind zu landen. Darauf purzelte die ganze Gänseschar über die Wiese, was sie offensichtlich als negative Erfahrung empfand. Das Resultat darauf war eindeutig: Die Gänslein verselbstständigten sich und folgten Konrad Lorenz nicht mehr. Er hatte mit einem "Fehler" seine Autorität verspielt und ihr Vertrauen verloren.
Fast alle Tiere scheinen so zu reagieren. Elefanten stellen die Autorität der Leitkuh infrage, wenn sie einen Fehler macht; Zebraherden spalten sich, wenn ein Fohlen durch falsche Führung den Löwen zum Opfer fällt; die Debatten in Wolfsrudeln werden länger, wenn der Chef nicht genug Jagderfolg hat. In freier Wildbahn gefährdet ein Fehler des Alphatieres das Überleben der Gruppe. Daher gibt es bei Tieren keine blinde Loyalität und Gefolgschaft.
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Auch wenn Sie keine Freiheitsdressur vorführen wollen: Von Jana Mandana können selbst erfahrene Reiter noch etwas lernen. Ihr Erfolg stützt sich auf drei Säulen:
GEDULD
Zirkuspferden wird Zeit gelassen. Sie lernen in kleinen Schritten, und die Lernerfolge werden immer wieder überprüft. Wenn's nicht klappt, geht es einen Schritt zurück, bis die Lektion wirklich sitzt.
INDIVIDUALITÄT
Jana Mandana beobachtet ihre Pferde genau - und lässt sie das lernen, was ihnen liegt. Im Zirkus muss nicht jeder alles können, und keiner wird gegen den Strich gebürstet.
POSITIVE MOTIVATION
Ob Jana Mandanas Pferde, ihre Elefanten oder die Löwen ihres Ehemannes: die Tiertrainer strafen nie. Sie setzen ihre Autorität durch, indem sie Übungen wiederholen lassen, die Tiere loben, schlechte Erfahrungen vermeiden und ihre Führungs-kompetenz immer wieder neu beweisen.
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Gute Tierlehrer wie Jana Mandana sind sich dessen bewusst. Da sie im Gegensatz zu einem Reiter, der mit Zügel und Schenkel einwirken kann, in der Freiheitsdressur nur auf ihre Stimme und die Peitsche als Signalgeber setzen kann, ist das Vertrauen ihrer Pferde ihr großes Kapital.
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Das Vertrauen zu Jana ist so groß, dass selbst der Löwe nicht stört.
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Strafen ist verboten
Das Vermeiden schlechter Erfahrungen führt dazu, dass Jana Mandana auf positive Motivation setzt. Strafen gibt es bei ihr nicht. Mehr als ein strenges "Jassi!" hat der Ausreißer nicht zu befürchten. Reicht das nicht, um den übermütigen Jüngling zur Räson zu bringen, wird er eben an die Leine gelegt - wenn es sein muss, auch mitten in der Vorstellung.
Ein Helfer mit Longe steht immer bereit, und wenn Jassi mal wieder versucht, das große Gulasch zu fabrizieren, geht er eben drei, vier Runden an der Longe. Dafür wird er dann aber gelobt. Gleichzeitig lernt sein Vordermann Isam, dass Jana Mandana auf ihn aufpasst und er sich nicht selbst gegen den frechen Kleinen wehren muss. Keine schlechten Erfahrungen zuzulassen und positive Motivation sind denn auch das Erfolgsgeheimnis der spektakulärsten Aktion der Zirkuspferde: der Abmarsch auf der Hinterhand quer durch die Manege zum Ausgang, im Zirkus "da capo steigen" genannt. Der aufrechte Gang ist einer der Gründe, warum in den Freiheitsdressuren des Zirkus Krone nur Hengste arbeiten. Bei ihnen gehört das Steigen zum natürlichen Artverhalten. Sie üben es schon als Ein- und Zweijährige mit ihren Gefährten auf der Koppel. Dennoch beginnt im Zirkus die Arbeit am Steigen auf Kommando erst dann, wenn die jungen Hengste durch gezielte Arbeit an der Longe gelernt haben, sich selbst auszubalancieren. Doch auch dann noch - damit sie bei ihren Steigversuchen auf keinen Fall stürzen und sich wehtun können - bekommen sie zwei Helfer zur Seite gestellt, die links und rechts eine Longe einhängen. Der Trainer steht unterdessen vor ihnen und signalisiert durch seine Körpersprache, die erhobene Peitsche und das Kommando "Hoch!", dass das Pferd steigen soll. Erhebt sich dann der Jüngling auch nur ein wenig, wird er schon gelobt und sofort mit einem Leckerli belohnt.
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Nicht zu viel verlangen
Die Lektion sitzt schnell - und wird von Jana Mandana aufmerksam beobachtet. Zum einen kann sie dank ihrer Erfahrung beurteilen, wie geschickt sich das Tier anstellt, und daraus schließen, ob es das Talent zum großen Solo hat oder eben nur in der Gruppe steigen wird; zum anderen sorgt das Beobachten dafür, dass ihr vierbeiniger Schüler bei diesem anstrengenden Trick nicht überfordert wird. Denn er lernt schnell, so lange oben zu bleiben, wie die Peitsche oben ist und Jana sich entsprechend streckt. Merkt sie aber - und hier kommt es auf ihre Beobachtungsgabe an -, dass er die Position nicht mehr halten kann, senkt sie die Peitsche. Die Botschaft ist klar: "Ich verlange nicht mehr von dir, als du leisten kannst. Darauf kannst du dich verlassen." Die Mühe lohnt sich: Jana Mandanas elegantes Pferdeballett zählt unstrittig zu den Programmhöhepunkten des Zirkus Krone. Und auch wenn Jassi nicht immer da ist, wo er hingehört, ist er dennoch nicht nur Jana Mandanas Liebling, sondern auch der des Publikums.
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Reportage von Sybille Luise Binder
Fotos von Ilja van de Kasteele
Artikel aus Mein Pferd.de 9/2010
Das Magazin für aktive Reiter
www.mein-pferd.de
Noch mehr über Jana Mandana finden Sie hier:
Jana Mandana - Pferde
Jana Mandana - Exotentableau
Jana Mandana - Janas neue Kleider
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